Ich bin weder politisch besonders grün noch religiös voreingenommen oder spüre irgendwelche Empfindlichkeiten hinsichtlich reinen religiösen Aspekten. Auch bin ich kein Anhänger einer Organisation Greenpeace oder sonstigen. Dennoch (sofern es mir mit verhältnismäßigen Aufwänden möglich gewesen wäre) mich am liebsten an eine Kette gebunden hätte. Mir geht es um die politische Korrektheit und um die verhältnismäßige Behandlung aller dem System angehörigen Personen, egal ob natürliche Personen, Kleine- mittelständige Unternehmen oder DAX-Großkonzerne wie RWE.

Die Erhaltung von Kultur und Geschichte und Architektur ist außer Frage auch für mich ein Gut, dass es zu schützen gilt, weshalb ich den Denkmalschutz in seinem Bestand schätze. Letztlich sollte dieser aber der Gesellschaft und dem Menschen dienen.  Hier sehe ich große Probleme und teils einige sehr krasse Wiedersprüche. Das Leben in landwirtschaftlichen geprägten Gegenden verkommt. Immer wieder ließt man Schlagzeilen wie „Immer mehr Ärzte verlassen das Land“ oder „Wohnungsraum in Städten wird enger und teuerer“. Stattdessen verfallen die Häuser und Höfe immer mehr in den ländlichen Gebieten. Wäre es da nicht sinnvoll und lobenswert, wenn sich jemand die Herausforderung stellt eins dieser teils denkmalwürdigen Höfe saniert und wieder ins Leben ruft?

Ein Denkmal ist nicht als Denkmal auf die Welt gekommen, es wurde zum Denkmal, um an dessen ursprünglichen Sinn, Zweck und Bedeutung zu erinnern und es zu erhalten. Die beste Möglichkeit diesem Grundgedanken eines Denkmals nachzukommen dürfte doch sicherlich darin bestehen, dessen Sinn, Zweck und Bedeutung möglichst authentisch und effektiv zu erhalten – oder?
Genau hier sehe ich ein rissiges Problem und einen großen Konflikt zwischen den Interessen, die ein Bauherr hinter seiner effektiven, sinnvollen und nachhaltigen Renovierungsmaßnahmen hat, um die Bedeutung, den Sinn und Zweck des Denkmals zu erhalten sowie dem Denkmalschutzgesetz, welches immer wieder neue unvorhersehbaren Herausforderungen und Probleme provoziert. Als ein einfaches Beispiel kann man Vorschriften und Regulierungen für Fenster nennen.  Klar sollen Fenster, Türen und Fassaden möglichst original getreu erhalten bleiben.  Dennoch sollten Sie primär dem Sinn und der Funktion dienen. In einem mir bekannten Fall sollten alle alten Fensterrahmen für die Renovierung gemäß dem Denkmalschutz erhalten bleiben und für ein vielfaches umbeschreibbar teuer (mehr als 10 mal im Vergleich zu neuen, authentischen Fenstern) restauriert werden. So würden in diesem Fall die Kosten für eine Erhaltung, authentische und sinnvolle Restaurierung um mehrer zehntausende Euros steigen.

Die Frage, die sich dabei Stellt: Was würde das Denkmal weniger verlieren, wenn es vor sich hin verrottet, dessen ursprünglicher Sinn und Funktionsbetimmung aufgegeben werden müssten? Meiner Meinung nach sollte der Denkmalschutz den Weg frei machen, Dinge wieder einen Sinn und eine Funktion gemäß dem eigentlichen Nutzen zu ebnen. Es kann nicht richtig sein durch hartnäckige Richtlinien jemanden die Restauration durch abnormale Mehrkosten letztlich auf Kosten des Denkmals zu verhindern. Der weitere Verfall des Objekts würde noch weniger dem Denkmal dienen, als der Verzicht auf lediglich den originalen Fensterrahmen. Andernorts, wie beispielsweise in Immerath wird enormer unverhältnismäßiger Aufwand betrieben, genau gegen den Denkmalschutz vorzugehen und mit aller Gewalt wird ausdrucksstark ein ganzes Ort sowie eine aus dem 13. Jahrhundert, in der Region einmalige Architektur in Form einer Kirche dem Erdboden gleich gemacht? Wofür? Für eine Sache, von der man sich in der Politik schon längst verabschieden wollte: Fossile Brennstoffe. Das Dort, die Kirche und die Menschen mussten weichen, für ein Konzern, welcher offenbar eine ausreichend große Lobby für sich gewinnen konnte und für den einfache Regeln, für eigentlich jedermann außer Kraft Gesetzen werden können. Gesetze werden durch Sonderreglungen gebrochen und plötzlich ist der so wichtige Denkmalschutz nicht mehr von Bedeutung. Die Zerstörung und Vernichtung eines Denkmals bzw. eins aus dem 13. Jahrhundert existierendes Bauwerks, die Umsiedlung sowie die Abholzung eines ganzen Dorfs steht meiner Meinung nach in keinem Verhältnis zur Regulierung des Austausches eines Fensters gegen ein neues, dessen Missachtung für eine Privatperson mit einer Strafe in maximaler Höhe von 500.000€ unverhältnismäßige Kosten verursacht.

Für ein DAX-Konzern, dass in der Größe mehrerer dutzend Flugfelder Kohleabbau betreiben möchte hingegen sind selbst ohne Sonderreglungen die im Raum stehenden Sanktionen und Strafen ein Witz gegenüber den oben genannten für Einzelkämpfer. Eine Strafe, die im Gegensatz zu Privatpersonen einem Konzern wie RWE nicht besonders Jucken dürfte. Letztlich spielt der Denkmalschutz den Entscheidungsträgern keine Rolle. Es geht schlicht nur um die Kohle.Jemand der privat sein Bauvorhaben durchführen möchte ist hingegen teils unüberwindbaren Hürden gegenübergestellt.  Ich sehe hier enormen Handlungsbedarf: Die Strafen tun dem eigentlichen Übertätern nicht besonders weh. Es kann nicht sein, dass ein DAX-Konzern die selben Kosten zu befürchten hat, bei Missachtung, wie eine Privatperson, die ein Fehler bei der Renovierung seines Hauses macht. Anderseits dürfen die Auflagen des Denkmalschutzes keine unüberwindbaren Hürden generieren, die es unmöglich machen, ein sterbendes Objekte wieder zum Leben zu beschwören um diesen wieder einen Sinn und eine Funktion zu geben.   Wenn etwas hingegen wirklich schützenswert ist, darf es nicht aus Geldgier anderer, dritter vernichtet oder benachteiligt werden, ansonsten können wir uns den Denkmalschutz auch gleich sparen.