Kurz gesagt: Eine Datenbankverfügbarkeitsgruppe (DAG) verbindet bis zu 16 Exchange-Postfachserver. Jede Postfachdatenbank hat eine aktive Kopie und eine oder mehrere passive Kopien auf anderen Servern. Fällt ein Server, eine Datenbank oder das Netz aus, aktiviert Exchange automatisch eine passive Kopie. Sie brauchen dafür gleiche Exchange-Versionen, einen Zeugenserver und einen klaren Plan, welche Kopie wo bevorzugt läuft.
Was eine DAG macht
Eine DAG ist die Hochverfügbarkeit von Exchange auf Datenbankebene. Die Server einer DAG bilden im Hintergrund einen Windows-Cluster. Jede Datenbank läuft aktiv auf genau einem Server, die anderen Server halten passive Kopien und spielen die Protokolldateien laufend nach.
Fällt der aktive Server aus, übernimmt eine passive Kopie. Die Benutzer merken davon im besten Fall nur eine kurze Unterbrechung.
Bevor Sie anfangen
- Gleiche Version: Alle Server einer DAG laufen mit derselben Exchange-Version. Der Support für Exchange 2016 und 2019 endete am 14.10.2025, neue Updates gibt es nur für Exchange Server SE.
- Name: Der DAG-Name hat höchstens 15 Zeichen. Er ist zugleich der Name des Clusters.
- Zeugenserver: Er darf kein Mitglied der DAG sein und wird mit Hostname oder FQDN angegeben, nie mit IP-Adresse. Microsoft empfiehlt einen Exchange-Server außerhalb der DAG.
- Zeuge ist kein Exchange-Server? Dann gehört die Gruppe „Exchange Trusted Subsystem“ in die lokalen Administratoren des Zeugenservers. Sonst bricht das Aufnehmen der Mitglieder mit „Access is denied“ ab.
Schritt 1: DAG anlegen und Server aufnehmen
Die Beispiele nutzen DAG01 mit den Servern EX01 und EX02 und FS01 als Zeugen.
# DAG mit Zeugenserver anlegen (IP-Adressen per DHCP)
New-DatabaseAvailabilityGroup -Name DAG01 -WitnessServer FS01.firma.example -WitnessDirectory C:\DAG01
# Postfachserver aufnehmen
Add-DatabaseAvailabilityGroupServer -Identity DAG01 -MailboxServer EX01
Add-DatabaseAvailabilityGroupServer -Identity DAG01 -MailboxServer EX02
# Kontrolle
Get-DatabaseAvailabilityGroup DAG01 | Format-List
Liegen die Server in verschiedenen Subnetzen, braucht die DAG je Subnetz eine feste IP-Adresse (-DatabaseAvailabilityGroupIPAddresses).
Schritt 2: Datenbanken anlegen und verteilen
Vier Datenbanken, je zwei pro Server. So trägt im Normalbetrieb jeder Server die Hälfte der Last.
New-MailboxDatabase EXDB01 -Server EX01 -EdbFilePath D:\EXDB01\EXDB01.edb -LogFolderPath L:\LOGS\EXDB01
New-MailboxDatabase EXDB02 -Server EX02 -EdbFilePath D:\EXDB02\EXDB02.edb -LogFolderPath L:\LOGS\EXDB02
New-MailboxDatabase EXDB03 -Server EX01 -EdbFilePath D:\EXDB03\EXDB03.edb -LogFolderPath L:\LOGS\EXDB03
New-MailboxDatabase EXDB04 -Server EX02 -EdbFilePath D:\EXDB04\EXDB04.edb -LogFolderPath L:\LOGS\EXDB04
# Datenbanken einbinden
"EXDB01","EXDB02","EXDB03","EXDB04" | ForEach-Object { Mount-Database $_ }
Die Pfade sind auf beiden Servern gleich. Das ist Pflicht, sobald eine Kopie auf den anderen Server kommt.
Archivdatenbank: Soll eine Datenbank nur für bestimmte Postfächer da sein, etwa für Archive, schließen Sie sie von der automatischen Verteilung aus.
New-MailboxDatabase EXDBArchiv01 -Server EX01 -EdbFilePath G:\EXDBArchiv01\EXDBArchiv01.edb -LogFolderPath L:\LOGS\EXDBArchiv01 -IsExcludedFromProvisioning $true
Mount-Database EXDBArchiv01
IsExcludedFromProvisioning verhindert nur, dass Exchange neue Postfächer automatisch in diese Datenbank legt. Bestehende Postfächer wachsen weiter, und von Hand verschieben geht nach wie vor.
Schritt 3: Grenzwerte setzen
Set-MailboxDatabase EXDB01 -IssueWarningQuota 30GB -ProhibitSendQuota 50GB -ProhibitSendReceiveQuota 50GB `
-RecoverableItemsWarningQuota 20GB -RecoverableItemsQuota 30GB `
-DeletedItemRetention 14.00:00:00 -MailboxRetention 30.00:00:00
- IssueWarningQuota: ab hier bekommt der Benutzer eine Warnung.
- ProhibitSendQuota / ProhibitSendReceiveQuota: ab hier kann er nicht mehr senden bzw. weder senden noch empfangen.
- RecoverableItems…Quota: Grenzen für den Ordner „Wiederherstellbare Elemente“.
- DeletedItemRetention / MailboxRetention: wie lange gelöschte Elemente bzw. gelöschte Postfächer wiederherstellbar bleiben.
Die Werte sind Beispiele. Wählen Sie sie passend zu Speicher und Sicherung.
Schritt 4: Kopien anlegen und Reihenfolge festlegen
Jede Datenbank bekommt eine passive Kopie auf dem anderen Server. Die Aktivierungsreihenfolge (ActivationPreference) sagt, welche Kopie bevorzugt ist: 1 ist die aktive Wunschkopie, 2 die erste Ausweichkopie.
Add-MailboxDatabaseCopy -Identity EXDB01 -MailboxServer EX02 -ActivationPreference 2
Add-MailboxDatabaseCopy -Identity EXDB02 -MailboxServer EX01 -ActivationPreference 2
Add-MailboxDatabaseCopy -Identity EXDB03 -MailboxServer EX02 -ActivationPreference 2
Add-MailboxDatabaseCopy -Identity EXDB04 -MailboxServer EX01 -ActivationPreference 2
# Alle Archivdatenbanken von EX01 auf EX02 kopieren
Get-MailboxDatabase -Server EX01 | Where-Object Name -like 'EXDBArchiv*' |
Add-MailboxDatabaseCopy -MailboxServer EX02 -ActivationPreference 2
Beim Anlegen kopiert Exchange die Datenbank einmal vollständig auf den Zielserver (Seeding). Bei großen Datenbanken dauert das. Wer die Kopie lieber zu einem ruhigen Zeitpunkt oder von einer bestimmten Quelle füllt, nutzt -SeedingPostponed und danach Update-MailboxDatabaseCopy.
Nach einem Ausfall laufen Datenbanken oft auf ihrer Ausweichkopie weiter. Das Skript RedistributeActiveDatabases.ps1 aus dem Exchange-Skriptordner verteilt sie wieder auf die bevorzugten Kopien.
Schritt 5: Automatische Aktivierung steuern
Pro Server legen Sie fest, ob Exchange dort Kopien automatisch aktivieren darf.
# Standard: keine Einschränkung
Set-MailboxServer EX01 -DatabaseCopyAutoActivationPolicy Unrestricted
# Nur innerhalb desselben Active-Directory-Standorts aktivieren
Set-MailboxServer EX01 -DatabaseCopyAutoActivationPolicy IntrasiteOnly
# Keine automatische Aktivierung auf diesem Server
Set-MailboxServer EX01 -DatabaseCopyAutoActivationPolicy Blocked
- Unrestricted ist der Standardwert.
- IntrasiteOnly verhindert, dass eine Datenbank über einen Standort hinweg aktiviert wird, zum Beispiel ins Rechenzentrum am Zweitstandort.
- Blocked setzt zum Beispiel das Wartungsskript, solange ein Server Updates bekommt. Den Ablauf zeigt unser Beitrag zum Exchange-Wartungsmodus.
Kontrolle: Laufen die Kopien sauber?
Get-MailboxDatabase | Get-MailboxDatabaseCopyStatus | Format-Table Name,Status,CopyQueueLength,ReplayQueueLength,ContentIndexState -AutoSize
Gesund ist: eine Kopie „Mounted“, die anderen „Healthy“, Warteschlangen nahe 0, Inhaltsindex „Healthy“. Die passive Kopie ist Ihre erste Verteidigung bei einem Ausfall. Prüfen Sie sie regelmäßig, nicht erst im Notfall.
Korrektur zur Fassung von 2023: Dort hiess es, „IntrasiteOnly“ schalte die Aktivierung für gewartete oder überlastete Datenbanken ab. Das stimmt nicht: Der Wert erlaubt die Aktivierung nur am selben AD-Standort. Außerdem fehlten das Anlegen der DAG mit Zeugenserver und das Einbinden der neuen Datenbanken. Und IsExcludedFromProvisioning stoppt kein Wachstum, nur die automatische Zuteilung neuer Postfächer.
Häufige Fragen
Wie viele Server braucht eine Exchange-DAG?
Ausfallsicherheit gibt es ab zwei Postfachservern, höchstens 16 sind möglich. Dazu kommt immer ein Zeugenserver, der selbst kein Mitglied der DAG ist. Bei einer geraden Zahl von Mitgliedern sorgt er dafür, dass der Cluster bei einem Ausfall entscheidungsfähig bleibt. Microsoft empfiehlt dafür einen Exchange-Server außerhalb der DAG.
Was bedeutet ActivationPreference in Exchange?
Die Aktivierungsreihenfolge legt fest, welche Kopie einer Datenbank bevorzugt aktiv ist. 1 ist die Wunschkopie, 2 die erste Ausweichkopie. Nach einem Ausfall laufen Datenbanken oft auf einer Ausweichkopie weiter. Mit RedistributeActiveDatabases.ps1 holen Sie sie wieder auf die bevorzugte Kopie zurück.
Was ist der Unterschied zwischen IntrasiteOnly und Blocked?
IntrasiteOnly erlaubt die automatische Aktivierung, aber nur auf Servern am selben Active-Directory-Standort. So springt eine Datenbank nicht ungewollt ins Zweitrechenzentrum. Blocked verbietet die automatische Aktivierung auf dem Server ganz, etwa während Updates. Manuell aktivieren geht in beiden Fällen weiterhin. Standard ist Unrestricted.
Quellen (abgerufen am 17.10.2026)
- Microsoft Learn: Create a database availability group in Exchange Server
- Microsoft Learn: Manage mailbox database copies in Exchange Server
- Microsoft Learn: Set-MailboxServer, Parameter DatabaseCopyAutoActivationPolicy
- Microsoft Learn: New-MailboxDatabase, Parameter IsExcludedFromProvisioning
- Microsoft Learn: Manage mailbox databases in Exchange Server (Mount-Database)
- Microsoft Lifecycle: Exchange Server 2019