Kurz gesagt: Bevor Sie ein kumulatives Update oder Sicherheitsupdate auf einem DAG-Mitglied installieren, versetzen Sie den Server in den Wartungsmodus. Er leert die Transportwarteschlangen, gibt seine aktiven Datenbanken an die anderen Mitglieder ab und nimmt keine Verbindungen mehr an. Nach dem Update holen Sie ihn in umgekehrter Reihenfolge zurück und prüfen den Zustand.
Was der Wartungsmodus macht
Im Wartungsmodus übergibt ein Server seine Aufgaben an die anderen Mitglieder der Datenbankverfügbarkeitsgruppe (DAG). Die Benutzer merken davon im besten Fall nichts. Dazu gehören drei Dinge: Mails in der Warteschlange gehen an einen anderen Server, aktive Datenbanken werden verschoben, und der Clusterknoten wird angehalten.
Exchange bringt dafür zwei Skripte mit: StartDagServerMaintenance.ps1 und StopDagServerMaintenance.ps1. Sie verschieben auch die Rolle des Primary Active Manager (PAM) und machen bei einem Fehler alles rückgängig außer den bereits verschobenen Datenbanken.
Vor dem Update
- Version prüfen: Der Support für Exchange 2016 und 2019 endete am 14.10.2025. Neue Updates gibt es nur für Exchange Server SE.
- AD vorbereiten: Bringt das Update Änderungen am Active-Directory-Schema, steht das in den Versionshinweisen. Dann vorher einmal
/PrepareSchemaund/PrepareADausführen, mit einem Konto in den Gruppen Schema Admins und Enterprise Admins. Danach die AD-Replikation abwarten. - Aktivierungsrichtlinie notieren: Das Stoppskript setzt sie am Ende auf „Unrestricted“. Steht sie bei Ihnen anders, brauchen Sie den alten Wert.
- Virenschutz: Wer den Echtzeitschutz für die Installation abschaltet, schaltet ihn danach wieder ein (Befehl am Ende).
# Nur wenn das Update Schema- oder AD-Änderungen bringt (einmal pro Organisation)
.\Setup.exe /IAcceptExchangeServerLicenseTerms_DiagnosticDataOFF /PrepareSchema
.\Setup.exe /IAcceptExchangeServerLicenseTerms_DiagnosticDataOFF /PrepareAD
# Bei mehreren Domänen im Forest zusätzlich
.\Setup.exe /IAcceptExchangeServerLicenseTerms_DiagnosticDataOFF /PrepareAllDomains
# Aktuelle Aktivierungsrichtlinie notieren
Get-MailboxServer EX01 | Format-List DatabaseCopyAutoActivationPolicy
Schritt 1: Server in den Wartungsmodus setzen
Die Beispiele nutzen EX01 als Server in Wartung und ex02.firma.example als Ziel für die Warteschlange. Der Neustart des Transportdienstes nach dem „Draining“ gehört dazu: Erst damit beginnt das Leeren der Warteschlangen.
# 1. Transport leeren: keine neuen Mails mehr annehmen
Set-ServerComponentState EX01 -Component HubTransport -State Draining -Requester Maintenance
Restart-Service MSExchangeTransport
# 2. Datenbanken, PAM und Clusterknoten abgeben
Set-Location $ExScripts
.\StartDagServerMaintenance.ps1 -ServerName EX01 -MoveComment Wartung -PauseClusterNode
# 3. Restliche Mails an einen anderen Server weitergeben (Ziel als FQDN)
Redirect-Message -Server EX01 -Target ex02.firma.example
# 4. Server als Ganzes offline nehmen
Set-ServerComponentState EX01 -Component ServerWideOffline -State Inactive -Requester Maintenance
Das Startskript kann eine Weile laufen, ohne etwas anzuzeigen. Das ist normal.
Schritt 2: Prüfen, ob der Server bereit ist
Installieren Sie erst, wenn alle fünf Prüfungen stimmen.
# Nur noch Monitoring und RecoveryActionsEnabled dürfen «Active» sein
Get-ServerComponentState EX01 | Format-Table Component,State -AutoSize
# Aktivierung blockiert?
Get-MailboxServer EX01 | Format-List DatabaseCopyAutoActivationPolicy
# Keine Datenbank mehr aktiv? Darf nichts zurückgeben
Get-MailboxDatabaseCopyStatus -Server EX01 | Where-Object Status -eq 'Mounted'
# Clusterknoten angehalten?
Get-ClusterNode EX01 | Format-List
# Warteschlangen leer?
Get-Queue
Schritt 3: Update installieren
.\Setup.exe /Mode:Upgrade /IAcceptExchangeServerLicenseTerms_DiagnosticDataOFF
Während der Installation stoppt Setup alle Exchange-Dienste und den Clusterdienst. Starten Sie den Server danach neu, wenn Setup es verlangt.
Schritt 4: Wartungsmodus beenden
Die Reihenfolge ist umgekehrt. Das Stoppskript setzt den Knoten fort, stellt die Aktivierungsrichtlinie auf „Unrestricted“ und setzt die Datenbankkopien fort.
# 1. Server wieder online
Set-ServerComponentState EX01 -Component ServerWideOffline -State Active -Requester Maintenance
# 2. Clusterknoten und Datenbankkopien zurück
Set-Location $ExScripts
.\StopDagServerMaintenance.ps1 -ServerName EX01
# 3. Transport wieder annehmen lassen
Set-ServerComponentState EX01 -Component HubTransport -State Active -Requester Maintenance
Restart-Service MSExchangeTransport
# 4. Kontrolle: alle Komponenten wieder «Active»?
Get-ServerComponentState EX01 | Format-Table Component,State -AutoSize
Stand die Aktivierungsrichtlinie vorher auf „IntrasiteOnly“, setzen Sie sie jetzt zurück:
Set-MailboxServer EX01 -DatabaseCopyAutoActivationPolicy IntrasiteOnly
Haben Sie den Virenschutz abgeschaltet, jetzt wieder einschalten:
Set-MpPreference -DisableRealtimeMonitoring $false
Korrektur zur Fassung von 2023: Dort fehlte der Neustart des Transportdienstes nach dem „Draining“. Das Ziel von Redirect-Message stand als Kurzname, verlangt ist der FQDN. Der Virenschutz wurde abgeschaltet, aber nie wieder eingeschaltet. Und die Ausführungsrichtlinie wurde auf „Unrestricted“ gestellt, das braucht es für das Update nicht.
Wie Sie eine DAG von Grund auf einrichten, zeigt der Beitrag Exchange-DAG einrichten.
Häufige Fragen
Was tun, wenn Komponenten nach einem abgebrochenen Update inaktiv bleiben?
Bricht das Update ab, können Komponenten auf „Inactive“ hängen bleiben, gesetzt vom Requester „Functional“. Microsoft nennt dafür drei Befehle: ServerWideOffline, Monitoring und RecoveryActionsEnabled je mit -State Active -Requester Functional setzen. Danach mit Get-ServerComponentState prüfen, ob alle Komponenten wieder „Active“ sind. Erst dann den Server zurück in den Betrieb nehmen.
Brauche ich den Wartungsmodus auch für ein Sicherheitsupdate?
Ja, wenn der Server Mitglied einer DAG ist. Auch ein Sicherheitsupdate stoppt Exchange-Dienste. Ohne Wartungsmodus verschiebt Exchange die aktiven Datenbanken ungeplant, und Mails in der Warteschlange warten, bis der Server zurück ist. Mit Wartungsmodus geschieht beides kontrolliert und vor dem ersten Neustart.
POP3 und IMAP4 starten nach der Wartung nicht. Warum?
Die Dienste bleiben gestoppt, solange die Komponenten ImapProxy und PopProxy inaktiv sind. Setzen Sie beide auf „Active“ und starten Sie die Dienste von Hand. Das steht so in der Microsoft-Anleitung zur DAG-Wartung. Wer POP3 und IMAP4 nicht nutzt, kann den Hinweis ignorieren, die Dienste bleiben dann einfach aus.